Kein Kraftwerk in der Au!

Thomas Sonnleitner, Naturschutzbund Steiermark

Dies ist die neue Seite der unabhängigen “Plattform zum Schutz der Mur-Auen”.

Wir setzen uns für den Erhalt der Au-Wälder im Süden von Graz ein, die eine wichtige Rolle als Luft-, Wasser- und Landschaftsschutzgebiet spielen und nicht zuletzt Lebensraum zahlreicher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sind.logo-plattform_murauen-ganz

logo-plattform_murauen-ganz Unserer Meinung nach soll Naturschutz einen höheren Stellenwert als wirtschaftliche Interessen haben – doch obwohl die geplanten Wasserkraftwerke auch ökonomisch und energiepolitisch keinen Sinn haben, halten die Betreiberfirmen (Verbund AG und ESTAG) an ihrem Vorhaben und damit an der unwiederbringlich Zerstörung dieses Naturjuwels fest. Um so energischer wird unser Widerstand dagegen sein – wir werden alle zur Verfügung stehenden legalen Mittel ausschöpfen – von der Informierung der Öffentlichkeit bis zu Blockaden der Schlägerungsarbeiten und Bautätigkeiten – um diesen ökologischen Wahnsinn zu verhindern!

Unten und auf den folgenden Seiten sowie auf http://mirmehrmur.spektral.at findet Ihr weitere Informationen. Wir freuen uns auf Eure Beiträge und weitere Mitkämpfer_innen. Schreibt Kommentare auf diese Seite, informiert und diskutiert in Euren Bekanntenkreisen, schreibt Leser_innenbriefe an alle Medien, kommt zu unseren Treffen und schreibt uns mails an au@riseup.net

10 Antworten zu “Kein Kraftwerk in der Au!”

  1. Viktor sagt:

    Wie der letzte Woche erschienenen TV-Beilage der Krone originellerweise zu
    entnehmen, hat Hans Dichand in seiner Jugend in den Murauen gespielt und sich vor Zigeunern gefürchtet, dann aber ihre Harmlosigkeit erklärt bekommen. Stellt sich eigentlich auch die Frage: Können die wilden Siedler dort bleiben? (östl. Murufer südlich Autobahn, noch Gemeindegrund Graz, soviel ich weiß).
    LG Viktor

  2. Viktor sagt:

    …aber auch in der TV-Beilage vom 8. Mai wird Hans Dichand wieder von Kindheitserinnerungen eingeholt an “wunderschöne Auen und Wälder” an der Mur. Vielleicht sollte er mal mit dem neuen Chef der steirischen Krone reden, Herrn Biro (aus der Dynastie Waagner-Biro, die Firma hat Geschäftsbeziehungen zur E-Wirtschaft), der massiv für die Kraftwerksprojekte ist. Anscheinend dürfen nur mehr “Pro-Steweag”-Leserbriefe erscheinen, in denen zum Beispiel die Murauen, das Grüne Herz des Grazer Feldes, als Müllkippe denunziert werden.
    Eine meiner von der Krone nicht veröffentlichten Antworten dazu ist unter Leserbriefe auf http://www.steiermark-nachrichten.at enthalten. Dazu gibt es dort auch Infos und jede Menge Bilder.

  3. Selbstverständlich ist die Wasserkraft ein wichtiger Erneuerbarer Energieträger in
    unserem Land und muss forciert werden. Aber ausschließlich dort, wo diese Form der
    Energiegewinnung in Einklang mit unserer Natur steht und schützenwerte Gebiete, wie
    jenes der Koppentraun, nicht gefährdet!” so Manfred Wegscheider, steirischer Umweltlandesrat

    http://www.politik.steiermark.at/cms/beitrag/10703530/5845895/

  4. Chris Forone sagt:

    Ad Wegscheider: Dann darf man aber auf keinen Fall der Politik/Wirtschaft die Entscheidung überlassen, welche Gebiete schützenswert sind und welche nicht! Auch gibt es Energiegewinnung “im Einklang mit der Natur” nicht wirklich.

  5. günter sagt:

    leider sind die sogenannten auwälder südlcih von graz in wirklichkeit keine mehr- der grundwasserspiegel ist abgesenkt, es gibt keine stehenden gewässer. durhc ein kraftwerk entsteht ein wesentlich schönerer und naturnäherer lebensraum. auch der jetztige wald ist ein “kulturwald”, wirkliche auwälder sind zb an der traun bei linz vorhanden.damit kann man den wald und die mur südl. von graz keineswegs vergleichen. daher wäre ein kraftwerk auch aus sicht des auwaldes unbedingt zu begrüssen!

  6. liska sagt:

    Es ist richtig, dass durch die Begradigung der Mur der Grundwasserspiegel immer weiter absinkt, weil sich die Mur immer tiefer eingräbt. Dem könnte aber entgegen gearbeitet werden, indem die Ufer renaturiert und Altarme wieder geöffnet werden, was einen Bruchteil der für Ausgleichsmaßnahmen für den Kraftwerksbau vorgesehenen 20 Mio. € kosten würde.
    Durch die Kraftwerke wird der Grundwasserspiegel noch weiter absinken, das Gebiet noch seltener überflutet, zumindest wurde das den Landwirt_inn_en so versprochen. Die “Verringerung des Grundwasseranstiegs” ist sogar eine der geplanten Ausgleichsmaßnahmen (!). Die geplanten Restwassermengen, die nach dem Kraftwerksbau noch frei durch das Gebiet fließen sollen, betragen im Jahresdurchscnhnitt nur 1 % der Gesamtwassermenge, zu wenig für die auf Fließwasser angewiesenen Fische und auch zu wenig, um selbst den Hartholz-Auwald-Charakter (der z.Z. durchaus noch gegeben ist!) aufrecht zu erhalten.
    Davon einmal abgesehen kann sich jedeR Spaziergänger_in schon jetzt selbst ein Bild davon machen, was der massive Eingriff in die Natur für Folgen hat: Auf den bisher geschlägerten/gerodeten Flächen wächst so gut wie nichts anderes als der Staudenknöterich, der bekanntlich so widerstandsfähig ist, dass er jede andere Art verdrängt!

  7. Motte sagt:

    ihr müsst einfach mal dort hinfahren und euch das ganze anschauen. der jetzige waldbestand hat nichts mehr mit dem zu tun was die schlecht informierten pseudo-ökos da behaupten. natürlich ist jeder eingriff in natur zu hinterfragen, aber viel mehr zu hinterfragen ist die ö energiepolitik. gegen atomkraft im eigenen land aber billigen atomstrom aus tschechien kaufen. tschernobyl ist scheinbar schon zu lange her und vergessen… 20 megawatt pro kraftwerk sind kein schlechter wert und das gleich 2 mal. der jetzige wald der eigentlich ein verwilderter kulturwald ist wird durch ersatzflächen erhalten. das ganze hat einer strengen umweltprüfung durch echte ökos bestanden. also ich find das projekt toll, die pläne schaun nicht schlecht aus. ich bin ein großer fan von alternativenergien und es gibt nichts besseres als wasserkraft in ö. noch besser wäre wenn alle ein bissi einsparen und die nachfrage bremsen. jeder kann dazu seinen betrag leisten. nicht so kleinkariert und regional denken. ein tschernobyl wird durch unseren energiehunger jeden tag aufs neue heraufbeschworen. es sind viele akws gleichen bautyps noch am netz und das dank uns allen. so ein kleines stückchen pseudo-urwald wird nun mal versetzt. ich seh das alles sehr positiv.

  8. Heri sagt:

    Liebe Motte,
    zu deiner “strengen Umweltprüfung durch echte Ökos”: Das Gutachten durch Dr. Sampl ist sehr fragwürdig. Beispielsweise hat er den Huchen als FFH-Art (Anhang 2 und 4) “übersehen” und argumentiert, dass dieser eingesetzt wurde und dort früher nicht vorkam. Tatsächlich starb der Huchen in Folge der Gewässerverschmutzung in den 1960ern oder 1970ren zwischenzeitlich in der Mur südlich von Graz aus, hat sich aber inzwischen wieder erholt. In den letzten Jahren wurden junge Huchen gesehen, während die Bestatzhuchen keine Jungfische waren. Dies sollte man als Beweis für Vermehrung interpretieren. Die Tatsache, dass die FFH-Art “übersehen” wurde, steht im klaren Widerspruch zu den EU-Richtlinien und macht den Kraftwerksbau zu einem Verbrechen. Was in Deutschland unmöglich wäre und überall in der EU unmöglich sein sollte, ist in Österreich kein Problem. Wo Geld fließt hat Natur keinen Platz. Der Huchen ist natürlich nur eines von mehreren Argumenten, die gegen das Kraftwerk stehen. Aber es bezieht sich auf die EU-Richtlinie und ist daher schlagkräftig.
    Wie viel Geld Sampl bekommen hat um positiv zu stimmen wäre interessant….. Zufällig ging er wenige Wochen nach dem Gutachten in Pension, um den anderen Gewässerökologen, die ihn nun mehrheitlich verachten, aus dem Weg zu gehen. Seine Pension hat er durch den Verrat an unsere Natur sicher wunderbar aufgebessert.
    Das Problem ist einfach, dass die ökologischen Büros der Freien Marktwirktschaft unterliegen. Natürlich ist die Freie Marktwirtschaft ein wunderbares System, das uns zu Wohlstand und Fortschritt verholfen hat, aber problematisch wird es in Angelegenheiten, in denen öffentliche Güter bedroht werden, wie z. B. eben die Murau. Die Folge davon ist, dass nur jene Büros Aufträge bekommen, die Gutachten als “positiv” beurteilen. Folglich werden auch bevorzugt diese schwarzen Schafe für Umweltgutachten bezahlt, die immer auf positiv stimmen, während die ehrlichen Gutachter, die um den Erhalt der dort tatsächlich lebenden Arten bemüht sind, weniger Aufträge bekommen. Es ist seltsam, dass die Kraftwerksbetreiber den Gutachter selbst erwählen dürfen. Ein Mörder beispielsweise darf sich seinen Richter ja auch nicht selbst aussuchen. Ein objektiver Gutachter hätte im Falle des Kraftwerks Gössendorf niemals “positiv” gestimmt!
    Dr. Sampl ist ein schwarzes Schaf, das für eine gute Summe eben “positiv” stimmt. Bei uns im Institut für Zoologie Graz gibt es einen Prof., der hat gesagt, er wird den Sampl rausschmeißen, sollte er sich noch einmal ins Zoologiegebäude trauen…
    Ich bitte um mehr Widerstand gegen den Kraftwerksbau!

  9. Heri sagt:

    Lieber Günter,
    tatsächliche sind die „sogenannten Auwälder südlich von Graz“ in Wirklichkeit keine mehr, d. h. vor allem die Weiche Au (Weiden, Pappeln, Erlen, etc.) fehlt, während ich der Harten Au (Eichen, Ulmen, etc.), wie auch Liska dazu schreibt, noch einen gewissen ökologischen Wert zuschreiben möchte. Beispielsweise fand ich heuer im Frühjahr Larven des Scharlachkäfers Cucujus cinnaberinus, eine FFH-Art, unter der Rinde zweier umgestürzter, morscher Laubbäume.
    Was den unmittelbaren Uferbereich angeht, so fehlen die Schotterbänke, Lebensraum vieler Weberknechte der Familie Phalangiidae, Spinnen der Familien Lycosidae, Linyphiidae der Laufkäfer, Carabidae sowie der Kurzflügelkäfer, Staphylinidae.
    Aber: Der aktuelle Zustand der Au sollte nicht das Maß sein auf das es ankommt. Es geht um das Potential das die Au hat! Und dieses ist enorm! Es ist nämlich eines der wenigen Gebiete, das nicht unmittelbar von Siedlungsräumen umschlossen ist. Tatsächlich gab es aufgrund der hervorragenden Lage schon Pläne nach dem Vorbild Gosdorf an der slowenischen Grenze ein Renaturierungsprojekt zu starten! Diese Pläne wurden nun leider vorworfen. Wie Liska schreibt, könnte durch eine Renaturierung der Ufer das Eingraben reduziert und der Wasserspiegel erhöht werden. Zudem wäre es die einzige Möglichkeit vielen immer seltener werdenden Arthropoden den Lebensraum zurückzugeben, der ihnen in den letzten 150 Jahren genommen wurde. Das Potential aus dieser Au etwas zu machen ist erst dann verloren, wenn das Kraftwerk steht.
    Es bleibt nur zu hoffen, dass die Renaturierungspläne wieder auferweckt werden, wenn man die Pläne für das Kraftwerk wieder verwirft …

  10. Charles Darwin sagt:

    Du, Günter, meinst also, dass durch ein Kraftwerk ein „schönerer und naturnäherer Lebensraum“ entstehe? Gegen deine Empfindung für „schön“ kann ich nichts sagen, das Maß an Schönheit richtet sich nach dem subjektiven Wahrnehmen des beurteilenden Individuums. Manche Menschen finden eben Betonmauern schön, andere Auwälder. Aber gegen „naturnah“ lässt sich objektiv vieles sagen: Durch den Stauraum wird die natürliche Wanderrute der Fische abgeschnitten. Fischaufstiegshilfen sind in fast allen steirischen Fällen nur ein symbolischer Akt des guten Willens und funktionieren nach Ansicht der führenden Gewässerökologen nicht! Denn die Fische schwimmen beim Wandern gegen den Strom immer in Richtung der stärksten Strömung bis unmittelbar vor die Staumauer und bleiben dort, den abgelegenen Kanal mit 1 % des Wassers findet nur ausnahmsweise ein Fisch. Vor allem die in großen Schwärmen ziehenden Nasen benutzen diese niemals, weil sich einzelne Fische nicht vom Schwarm entfernen und der ganze Schwarm den Weg nicht findet. Wenn ein Fisch vom Staubereich nach unten wandert geht der Weg in vielen Fällen durch die Turbine, wo er zerhackt wird. Teile von zerhackten Fischen unter Kraftwerken zu finden ist nichts Seltenes. Zusätzlich es verändern sich auch die Temperaturverhältnisse vor und nach dem Stauraum, was zur Folge hat, dass andere Fischarten als die ursprünglich dort lebenden einen Überlebensvorteil erhalten. Der Staubereich wird plötzlich zur Brachsenregion, während das Restwasser (wenn es aus tieferen Schichten abgezweigt wird) oft so kalt ist, dass dort auf einmal Forellen und Koppen vorherrschen. Dass der Huchen durch den Kraftwerksbau wieder aussterben wird, dürfte unbestritten sein (außer für jene die meinen, dass er hier gar nicht vorkommt….). Der letzte Rest einer Schotterbank am Ufer als Zufluchtsort einiger Arthropoden wird vom Stauwasser überschwemmt. (Für nähere Informationen empfehle ich dir an der Exkursion Gewässerökologie im Institut für Zoologie Graz teilzunehmen, diese findet nächsten Juni wieder statt.)

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