BAUBEGINN !!!

Stau-Stufe Gössendorf

“Positiv beurteilt vom höchsten österreichischen Umweltgremium, dem Umweltsenat” seien die Kraftwerke Gössendorf und Kalsdorf, behaupten ESTAG und Verbund in ihrer Werbung.

Im Dialog mit der Mur? Tatsache ist: Gegen den UVP-Bescheid wurde von Umweltschutzorganisationen Einspruch erhoben, darum musste sich der Umweltsenat erst mit der Materie befassen! Von einer positiven Beurteilung des Kraftwerkbaus durch den Umweltsenat kann gar keine Rede sein:

“Nach den Ergebnissen des durchgeführten Verfahrens ist davon auszugehen, dass im Falle der Errichtung der beiden Kraftwerke Gössendorf und Kalsdorf der “gute ökologische Zustand” nicht erreicht werden kann”, so der Bescheid wörtlich. Ein “guter ökologischer Zustand” sei in diesem Bereich der Mur “gegenwärtig schon, bei Verwirklichung des zu beurteilenden Vorhabens hingegen nicht mehr erreichbar”.
Dazu seien “die Erhöhung des Strukturierungsgrades des Gewässers, die Wiederherstellung der Lebensräume, wie sie vor der Regulierung im Gebiet vorhanden waren, sowie die Wiederherstellung der Durchgängigkeit (!) in den unterliegenden Gewässerabschnitten” notwendig. “Im Wesentlichen müsste die Uferverbauung aufgelöst werden” sagte dazu der Amtssachverständige. “Entsprechend den genannten fachkundigen Ausführungen kommen bei Umsetzung der beiden Kraftwerksprojekte zu den bestehenden Defiziten zwei Querbauwerke mit Kontinuumsunterbrechung und Rückstau, sowie eine Erhöhung der Seitendämme mit weiterer Reduktion der Überflutungsdynamik”, so der Bescheid weiter.
Dann weist der Umweltsenat auf die Einschränkung der Lebensräume für rheophile (flussliebende) Arten hin und führt aus, dass die geplanten Kompensationsmaßnahmen die Verluste an Fließlebensräumen nicht ausgleichen können – was kein Hindernis für eine Ausnahmebewilligung sei, da “der Gesetzeswortlaut zweifellos (lediglich) die Minderung der negativen Auswirkungen verlangt und darüber hinaus auf die Praktikabilität der Vorkehrungen abstellt”.
Eine solche “Ausnahmebewilligung vom Verschlechterungsverbot” wurde schließlich erteilt, weil die Produktion von Strom in diesen Kraftwerken ein “übergeordnetes öffentliches Interesse” darstelle. Gründe dafür waren u.a.: “Die unbestrittene Notwendikeit der Abdeckung des steigenden Strombedarfs”, “die im Großraum Graz weit über dem österreichischen Durchschnitt liegende Steigerung des Elektrizitätsverbrauchs” und “die mittel- bis langfristige Fortsetzung des Trends eines steigenden Strombedarfs”.
Außerdem wurde auf die theoretische Einsparung von Treibhausgasen hingewiesen, wobei deren Berechnung stutzig macht: 26.000 Tonnen CO2 würden eingespart, wenn Strom im Winter Gasheizungen und im Sommer ein Gaskraftwerk ersetzt; 100 000 Tonnen, würde die gleiche Menge Strom in einem Kohlekraftwerk erzeugt.
Abgesehen davon, dass der Verbund selbst in ganz Österreich riesige Gaskraftwerke bauen lässt, haben Auen-SchützerInnen immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Berechnungen nicht seriös sind, weil die durch die Flusskraftwerke verminderte CO2 Aufnahme (Waldrodung, Bodenversiegelung, verringerte Fließgeschwindigkeit) und Methanproduktion (durch Bildung von Faulgas im Stauraum) nicht entsprechend eingerechnet wurde, und weil Wasserkraftwerke im Winter wesentlich weniger Strom produzieren als im Sommer.
Klima- und Energiekrise werden durch neue Kraftwerke also nicht gelöst, sondern deren Ursache – der übermäßige und ungerechte Ressourcenverbrauch – fortgesetzt.
Wenn Strom ein “übergeordnetes öffentliches Interesse” darstellt, müsste das umso mehr für unberührte Natur, saubere Luft, sichere Trinkwasserversorgung, Naherholung etc. gelten! Denn Elektrizität lässt sich zwar vielfältig verwenden; der zerstörte Naturraum aber kann damit nicht wieder hergestellt werden.

Für die Rettung der Mur und Ihrer Auen!
Für ein Umdenken in der Energiepolitik!